Work and Travel Kanada - viel Sonne in Winnipeg, Manitoba!

Created: April 19, 2020

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Nach dem mehr als enttäuschenden Erlebnis in Regina ging die Reise weiter nach Winnipeg. Das hieß erneut eine Überquerung einer Provinzgrenze und ab von Saskatchewan nach Manitoba. 575 Kilometer und ca. 6 Stunden Autofahrt lagen also vor uns, um zum nächsten Abenteuer zu gelangen. Los ging es recht spät, weshalb die angepeilte Ankunftszeit gegen 22 Uhr war. Die Reise ist landschaftlich nicht sehr unterschiedlich zu der Vorherigen. Das Gelände ist relativ flach, man sieht viel unberührte Natur und fährt stundenlang stur geradeaus. Allerdings merkt man, dass hier mehr Menschen unterwegs sind als zwischen Alberta und Saskatchewan.

 

Die Unterkunft wurde wie gewohnt auf der Fahrt gebucht und diesmal direkt über Airbnb. Vor allem, weil wir damit bis jetzt gute Erfahrungen gemacht haben. Überraschend haben wir hier ein richtiges Schnäppchen erwischt. Die Nacht kostete 25 Dollar für zwei Personen und hatte ein Frühstück inbegriffen. Das war, verglichen mit den restlichen Angeboten in Winnipeg wirklich günstig. Allerdings gab es nur sehr wenige Bewertungen. Das bedeutet, dass ihr euch einfach selbst ein Bild machen müsst. Möglicherweise könnte es auch enttäuschend enden, für uns war es jedoch mit eine der besten Airbnb Erfahrungen.

 

Nach unserer Ankunft und der Begrüßung durch unseren Host gab er uns eine kurze Tour durch das Haus. Es lag am äußeren Rand von Winnipeg, sehr neue und ruhige Gegend, doch mit dem Auto waren es nur ca. 20 Minuten zur Stadtmitte. Derek, unser Host, war ein sehr netter Kerl, der damals kurz vor seiner Hochzeit stand. Er baute gerade sein eigenes Haus und lebte daher noch übergangsweise bei seinen Eltern, bis dies fertig war. Überraschenderweise waren seine Eltern beide taubstumm. Das war ziemlich aufregend, da ich bis jetzt noch keine Erfahrung hinsichtlich taubstummer Menschen hatte. Die Kommunikation lief alles über Zeichensprache, Stift und Papier. Das hat gut funktioniert und beide waren sehr liebevolle und zuvorkommende Menschen. Beide kümmerten sich jeden Morgen um das Frühstück und bereiteten uns auch immer etwas vor, wenn wir in die Stadt gefahren sind. Beide gaben uns auch einige Tipps, was man in Winnipeg unternehmen kann.

 

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Wettertechnisch hätte man es nicht besser haben können. Strahlend blauer Himmel und die Sonne schien, wenn auch etwas zu stark, den ganzen Tag über. Bei über 30 Grad war die Chance sich gehörig zu verbrennen also recht hoch. Wir hatten uns einige Dinge zum Anschauen vorgenommen und losging es mit dem Canadian Museum for Human Rights. Auf dem Weg dorthin, nach abstellen des Autos sind wir noch an der Kathedrale Saint-Boniface vorbeigekommen. Die Kathedrale war einst riesig und eine der imposantesten im Westen Kanadas, wurde jedoch bei einem Brand nahezu komplett zerstört. Nur die Fassade, Sakristei und Mauern blieben übrig. Man bekommt also noch einen kleinen Einblick, wie groß die damals dort stehende Kathedrale einst war. Doch nun weiter zum Museum.

 

Die Stadt wird vom Red River in zwei Teile getrennt und direkt an diesem Fluss liegt auch das Canadian Museum for Human Rights. Es ist kaum zu übersehen, da die Architektur aus dem sonstigen Skyline Bild heraussticht. Antoine Predock, der Architekt aus New Mexiko, wollte hier versinnbildlichen wie man aus den Wurzeln des Museums (die unteren Etagen), in den Turm der Hoffnung (Aussichtsturm über Winnipeg) aufsteigt. Im Großen und Ganzen eine abgefahrene Konstruktion. Das Museum an sich ist riesig und man bekommt auch zu Beginn mitgeteilt, dass es einiges in Anspruch nimmt, alles zu erkunden. Ausgestellt sind die folgenden Themenbereiche:

 

  1. Geschichte und Inhalt der Menschenrechte.
  2. Die Perspektive der Ureinwohner auf die Menschenrechte.
  3. Kanadische Dokumente und Zeugnisse der Verletzung ethnischer Rechte.
  4. Die Stellung der Menschrechtsfrage in der kanadischen Gesellschaft.
  5. Völkermord am Beispiel der von der kanadischen Regierung anerkannten Beispiele (Holocaust, Holodomor, Völkermord an den Armeniern, Völkermord Ruanda und das Massaker von Srebrenica).
  6. Aktionen für Menschenrechte.
  7. Die Bedeutung der Worte - Das Ende des Schweigens über Menschenrechtsverletzungen.
  8. Aktionen - aktuelle Menschenrechtsbildung.
  9. Die Menschenrechte heute.
  10. Galerie mit Objekten und Bildern, die die Menschenrechte gefördert haben.


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Zu Beginn gab es eine Ausstellung, in welcher Bilder von internationalen blinden Künstlern ausgestellt wurden. Um diese für andere blinde Menschen zugänglich zu machen, wurde eine Technologie verwendet, welche diese in eine dreidimensionale Ansicht verwandelt, sodass diese die Konturen erfühlen können. Die oben genannten Themen sind auf 6 weiteren Etagen ausgestellt. Persönliche fand ich die Ausstellung über den Holocaust am interessantesten, einfach weil man einen persönlichen Bezug zwecks Herkunft dazu hat und es interessant ist zu sehen, wie andere Kulturen dies darstellen. Zu meinem Überraschen gab es hier auch einen Audiobeitrag einer Dame aus meiner Heimatstadt Karlsruhe. Zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass die ausgestellten Themen, vor allem ab dem Holocaust Bereich, manche Menschen wohl so ergreifen, dass diese die Museumstour nicht beenden können. Persönlich habe ich davon nichts gespürt, möglicherweise auch, weil wir in Deutschland mit diesem Thema von klein auf auseinandergesetzt werden. Das Museum ist definitiv einen Besuch wert, wenn man sich etwas über Menschenrechte informieren möchte und eine andere Seite der kanadischen Kultur erkunden möchte. Das Ende, die Aussicht aus dem Turm des Museums, ist zudem sehr cool!


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Danach ging es auf eine kleine Erkundungstour durch die Stadt. Das hieß laufen, laufen, laufen. Wer schon die Stories zuvor gelesen hat, wird dies schon als meinen persönlichen Tipp zum Thema Reisen herauskristallisiert haben. Lauf was das Zeug hält. Ihr werde niemals so viel erkunden, wenn ihr nicht eure Füße benutzt. Das Wetter begann leider recht schnell von strahlend blauem Himmel auf Regen umzusteigen. Das Gute war, der Tag ging größtenteils für das Museum drauf, daher war der Regen nicht weiter schlimm. Zurück auf dem Heimweg sind wir noch bei Nuburger eingekehrt. Hier kann man das Rindfleisch durch Bisonfleisch ersetzen. Schmeckt sehr gut und kann ich nur weiterempfehlen!

 

Am nächsten Tag sind wir auf Empfehlung von den Eltern unseres Hosts den Assiniboine Park Zoo besucht, welcher Polarbären beherbergt. Der Sommer hatte jedoch nun seine Hochphase und brachte Minimum 35 Grad und noch mehr auf das Thermometer. Das schlaucht natürlich, wenn man den Tag in der frischen Luft verbringt. Doch der Eintritt für einen Zoo zu zahlen, ermutigt einen auch bei 35 Grad, sportlich aktiv unterwegs zu sein. Der Zoo unterscheidet sich generell nicht sehr von den in Deutschland vorhandenen Zoos. Die Tierwelt ist eben mehr auf nordamerikanische Tiere ausgelegt. Die Polarbären waren jedoch recht interessant und hatten zudem einen unterirdischen Tunnel unter ihrem Schwimmbecken. So konnte man diese beim Abkühlen im Wasser von unten betrachten. Highlight des Parks ist unter anderem auch die Horde Büffel, die in dem Park gehalten werden. Eines davon hat nicht wie sonst üblich eine braune Fellfarbe, sondern ist weiß. Dies ist sehr selten, nur eines von 10 Millionen Tieren hat die Farbe Weiß. Für Natives ist dieses Tier heilig, da es ein spirituelles und kulturelles Symbol darstellt und ein Zeichen für Einheit und Hoffnung darstellt. Es gab auch noch Pumas und Berglöwen in dem Zoo, welches interessanterweise die gefährlichsten Tiere in Kanada sind. Dabei dachte ich immer, das wären Bären. Der Zoo war ein lustiger Zeitvertreib, den man gerne mitnehmen kann, wenn man die Zeit findet.


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Nach tierischen Begebenheiten den Tag über ging es abends zurück in die Stadtmitte. Genauer gesagt zu einem Spiel der Winnipeg Goldeyes. Wer sich fragt, wer die Winnipeg Goldeyes sind und was für einem Sport diese überhaupt nachgehen, keine Angst, wusste ich anfangs auch nicht. Sie spielen Baseball in der AAIP, der American Association of Independent Professional Baseball. Die Liga hat jedoch nichts mit der weltbekannten Major League Baseball zu tun. Das zeigt sich unter anderem in dem etwas kleineren Stadion. Die Ticketpreise waren daher jedoch mehr als erschwinglich, weshalb wir uns diesen Spaß gegönnt haben. Ich mag generell Sportveranstaltungen in Nordamerika, da das sein eigenes Flair besitzt und man so näher an dem Leben der Leute teilnehmen kann. Perfekt zu Spielbeginn setzte dann auch wieder Regen ein und unsere Plätze waren nicht überdacht. Doch wer auf Reisen ist, ist natürlich auch gut vorbereitet. So hatten wir Regenschirme dabei und konnte das Spiel trotzdem anschauen. Mit dem Regen sanken die Temperaturen jedoch auch rapide ab und ab dem sechsten Inning hat es uns dann doch gereicht und wir traten den Heimweg an.


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Wenn ich zurück an die Stadt Winnipeg denke, dann habe ich durchweg nur Gutes in Erinnerung. Ich habe mich sehr gerne hier aufgehalten und hätte auch zu gerne das Nachtleben erkundet. Nach dem enttäuschenden Aufenthalt in Regina war dies auf jeden Fall ein Ort, der sich gelohnt hat. Dass wir zudem noch eine sehr gute Unterkunft hatten, hat den Trip hierhin vollends abgerundet. Die Stadt ist gerade im Sommer, mit viel Grün und einigem zu erkunden, eine Reise wert. Auf unserer Liste stand nun eine Fahrt nach Thunder Bay. Doch dies erwies sich schwieriger als angenommen. Zum einen gab es hier sehr wenige Unterkünfte, da Thunder Bay im Nichts on Ontario liegt. Dies bedeutete für uns, Camping stand wieder auf dem Plan. Zum anderen lag uns der Begleiter vom Beginn unseres Trips immer noch im Nacken. Das Unwetter! Dies machte sich über gefühlt halb Kanada breit und lies dementsprechend auch viel Wasser auf die Landmassen los. Thunder Bay, am Lake Superior gelegen ist umschlossen von vielen Seen, welche man auf dem Weg von Winnipeg dorthin passiert. Zu unserem Unglück hat das Unwetter so viel Regen mit sich gebracht, dass Thunder Bay überschwemmt wurde. Campen in oder um eine überflutete Stadt war für mich definitiv keine Option. Vor allem nicht nach unseren Erfahrungen aus der ersten Nacht.



Von daher entschlossen wir uns kurzerhand das zu tun, wofür Roadtrips gemacht wurden. Flexibel sein und die Route ändern. Anstelle durch Kanada zu fahren, nahmen wir die Umleitung über die USA und es ging für uns nach Minneapolis, Minnesota!