Unvergessliches Abenteuer im Prince Albert Nationalpark!

Created: March 27, 2020

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Road Trip Feeling! Komisch, wenn man in sein Auto steigt und nicht weiß, was man in den nächsten Monaten alles erleben wird. Vor allem nicht wo man Enden wird. Ein gutes Gefühl. Keine Verpflichtungen, ein Auto und eine Kreditkarte. Eigentlich alles, was man für eine gute Zeit benötigt.

 

Prince Albert lag damals laut Google Maps 6:40 Stunden von Edmonton entfernt. Ein Leichtes, wenn man bedenkt was für Strecken noch zurückgelegt werden sollen! Abfahrt war daher gegen 10 Uhr in der Früh geplant. Genug Zeit, um auch mal irgendwo anhalten zu können und kein Stress zu verspüren. Ankunftszeit 18 Uhr. Vollkommen in Ordnung. Doch wie man das vielleicht von sich selbst kennt, man plant etwas und man wirft es über den Haufen. Aus 10 Uhr wurde also 12:30 Uhr. Doch das ist es, was einen Road Trip ausmacht. Dachte ich zumindest und denke ich ehrlich gesagt immer noch.

 

Die Fahrt war ruhig. Nichts Besonderes. Ich bin schon öfters die Richtung mit dem Auto gefahren, um den Elk-Island-Nationalpark zu besuchen oder das größte Ei der Welt in Vegreville. Der Anfang war somit schon etwas vertrau. Angenehm bei der ganzen Sache war zudem, dass die Straßen in den ländlichen Regionen sehr spärlich befahren sind. Man kann dem Tempomat einstellen und sich nur auf das Lenken konzentrieren.

 

Nach 2 1/2 Stunden war es dann Zeit für die erste Pause. Lag womöglich auch daran, dass wir mit Lloydminster die erste große Stadt passiert haben. Kleiner Exkurs hierzu:

 

Lloydminster liegt 251 Kilometer von Edmonton und 275 Kilometer von Saskatoon entfernt. Also eigentlich im Nichts. Die Stadt teilt quasi die beiden Provinzen Alberta und Saskatchewan. Weshalb ein Teil der Einwohner in Alberta wohnen und ein Teil in Saskatchewan. Mit ca. 28.000 Einwohnern eher eine Kleinstadt, in Deutschland vielleicht nur eine größere Gemeinde. Daher gab es hier auch nicht viel zu sehen. Doch es war genug, um sich die Füße etwas zu vertreten. Ihr müsst also keine Mühen auf euch nehmen, um irgendwann einmal sagen zu können ihr wart in Llodyminster.

 

Doch zurück zur Geschichte. Nach dem kurzen Boxenstopp sprang die Ankunftszeit von 18 Uhr auf 21 Uhr. Und dabei mussten wir noch einiges an Kilometer zurücklegen. Deshalb war der Plan erst einmal keinen Stopp mehr auf dem Weg einzuplanen.

 

Das Wetter war zu Beginn noch sehr angenehm. Blauer Himmel, vereinzelt Wolken, nichts Bedenkliches. Doch je näher wir uns dem Park annäherten, desto mehr Wolken zogen auf. Dunkle, schwarze Wolken. Aber, einen guten Camper hatte das noch nie aufgehalten eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Hand aufs Herz, wir waren allerdings keine guten Camper. Doch bei einem Road Trip wird mal in den sauren Apfel gebissen und weiter geht’s. Kurz vor dem Park gab es noch einmal eine Tankstelle und die war auch bitter nötig. Nicht, wegen unseres aktuellen Tanks, sondern da sich der Park vom südlichen bis nördlichen Eingang über 2 Stunden erstreckt. Nicht, dass wir geplant hätten, das alles abzufahren, aber man weiß ja nie.

 

Hier muss ich kurz abschweifen. Die Tankstelle hatte einen Service, bei dem man nichts machen musste. Der Tank wurde von einem Mitarbeiter aufgefüllt und währenddessen hat dieser einem die Scheiben gewischt. Doch nicht wie ein schlecht bezahlter Tankstellenmitarbeiter. Der junge Herr, möglicherweise Anfang 20, wischte die Scheiben wie ein Weltmeister. "Swuuusch, wiiisch, quietsch", fertig. Die Handführung des Geräts, die Sauberkeit und dem on top kein Rest Wasser auf der Scheibe. Ich war begeistert und geschockt zu gleich. Ein Mann mit so einem Talent, mitten im Nichts. Schade.

 

Von hier aus waren es noch 30 Minuten zum Park. Doch diese Rechnung hatten wir ohne unser Navi gemacht. Wir zu Straßen gelotst die komplett verwildert waren und somit nicht passierbar. Das hat uns noch einmal 30 Minuten on top gekostet, um das Ganze wieder zurückzufahren und einen anderen Weg zu nehmen. Doch auf einem Road Trip hält dich nichts vom Ziel ab. Na gut, manches schon aber nicht eine nicht passierbare Straße. Zurück auf der richtigen Straße bahnte sich auch schon die nächste dicke Überraschung an. Der Himmel, der sich schon früher mit Wolken bedeckt hatte, wurde auf der linken Seite pechschwarz. Und damit meine ich nicht pechschwarz im Sinne von, das regnet 5 Minuten und dann wars das. Ein Ausmaß was ich bis jetzt noch nie gesehen hatte. Als wollte eine höhere Macht uns sagen, "Komm, haut bloß ab". Auf der rechten Seite jedoch strahlend blauer Himmel. Ein super Sommertag, der einlädt abends noch etwas draußen zu unternehmen. Es war uns jedoch noch nicht klar, wo uns das Navi hinführen würde. Doch das war schnell geklärt, natürlich zu dem zusammenbrauenden Weltuntergang auf der linken Seite. Und das erstreckte sich nicht nur über den Parkeingang, sondern über die gesamte Parklandschaft.


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Von Weitem konnte man schon die hellen Blitze am Himmel sehen. Im Minutentakt wurde es grell und man konnte die Unmengen an Regen sehen, welche sich da ergossen haben. Wow, da würde auch der letzte Hardcore Naturfreak sagen, "mäh, nee". Wir hatten allerdings keine andere Wahl. Also rein in den Park. Der Regen war unangenehm. Man hat auf der Straße so gut wie nichts mehr gesehen. Doch das Schöne an Kanada, es regnet auf einem Quadratmeter und auf dem Nächsten ist es auf einmal vorbei. Die ersten 15 Minuten hat es in Strömen geregnet, doch dann war es erst einmal vorbei. Wir konnten einen Campingplatz finden, der nah an einem See gelegen war. Der Untergrund war zwar nass, doch nach der ganzen Fahrerei ok für eine Nacht. Zumal wir noch alles aufbauen mussten.

 

Was ich nicht gewohnt war aus Deutschland und was man vielleicht schon zuvor beachten sollte, Moskitos! Das Auto geparkt, die Tür geöffnet, hätte ich schon wieder einsteigen könne und nach Hause fahren. Eingestiegen sind wir auch erst einmal wieder. Es waren Unmengen an Moskitos! Man hatte uns schon gewarnt, dass vor allem in Saskatchewan und Manitoba die Moskitos wohl verbreitet und aggressiv sind. Das nasse Wetter war dazu wohl noch einladend. Gott sei Dank, für uns, hatten wir einiges an Moskitospray dabei. Gott sei Dank, für die Moskitos, war das denen komplett egal. Möglicherweise ist das Spray für normale Moskitos gemacht, doch es hatte den Anschein, als wären diese Viecher davon nicht gerade abgetan. Das Zelt wurde dann mit viel Mühe aufgebaut.


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Kurz auf die Uhr geschaut, Abendessenszeit! Campingkocher an und Suppe aufgestellt. Campingkocher bedeutet Licht und Licht bedeutet für Moskitos Soiree, also wurde sich schnurstracks um mich versammelt und mir eingeheizt. Die Stimmung nahm von Minute zu Minute ab. Ich war froh, als ich im Zelt war. Was könnte jetzt noch die Stimmung weiter drücken, wenn man in seinem Zelt auf seiner aufge…. aufge…, man muss dazu sagen, wir hatten eine Matratze dabei, die man mit einem elektrischen Gerät aufpumpen kann. Der Anschluss war so konzipiert, dass das auch nicht manuell machbar war. Elektrische Geräte benötigen jedoch Elektrizität und diese haben wir in Form von Batterien leider nicht mitgebracht. Wer brauch schon eine Luftmatratze. Camping. Die Natur hautnah fühlen! Nichtsdestotrotz, Schlafenszeit.

 

Generelle benötige ich etwas länger, um tief und fest einzuschlafen. Tiergeräusche, Moskito Summen oder sonstiges Arten von Lauten sind dabei nicht wirklich hilfreich. Doch irgendwann bin ich in dem Wohle verdienten Schlaf gesunken und das genau bis 2:30 Uhr. Auf einmal hat sich jemand dazu entschlossen die ganze Zeit das Licht an und aus zu knipsen. Was nervig erschien. Dazu wurde es irgendwie lauter um uns herum. Licht an und aus knipsen in der Natur? Halt, da lief was falsch. Ich blieb wach und habe den Übeltäter auf frischer Tat ertappt. Ein Gewitter zog über uns und beim nächsten Blitz brachte es auch nicht nur Helligkeit mit, sondern einen lauten Knall und strömenden Regen. Das Gewitter war direkt über dem Zeltplatz. Von mir aus kann man der Natur so nahe sein, wie man will, aber wenn ein Gewitter, in einem Wald direkt über einem loslegt, dann sollte man nicht in einem Zelt schlafen. Also Sachen gepackt und ab ins Auto. So wurde die erste Nacht im Auto verbracht. Auf dem Fahrersitz, der sich nicht verstellen lies, da die Rückbank voll mit Utensilien war.

 

Am Morgen danach dankte mir mein Nacken die Entscheidung den Schlafplatz ins Auto zu verlegen definitiv nicht. Und auch sonst habe ich nur sehr spärlich Schlaf bekommen. Die Stimmung vom Vorabend hat sich also nicht wirklich verbessert, sie wurde eher noch etwas schlechter. Immerhin hat es nicht mehr geregnet. Der Wetterbericht hat keine Besserung vorausgesagt, weshalb wir unser Glück nicht herausfordern wollten und das Zelt gleich wieder eingepackt haben. Den Tag haben wir dann noch im Prince Albert Nationalpark verbracht.


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Ich muss sagen, ich war etwas enttäuscht von dem Park. Bei Google liest man recht gute Bewertungen und das es sich lohnt in den Park zu kommen. Bekannterweise ist jedoch Saskatchewan eine sehr flache Provinz, was die Höhenverhältnisse angeht, weshalb auch der Park aus Flachland besteht, bedeckt mit Wald. Im Sommer ist es mit dem Waskesiu Lake bestimmt eine gute Möglichkeit dem Alltag etwas zu entfliehen und einige Zeit am Wasser zu verbringen. Doch extra hierher zu fahren, um dies zu tun, nicht nötig. Es gibt hierfür deutlich bessere Ziele. Zusammengefasst war der erste Tag ziemlich enttäuschend. Es hätte nicht schlechter Starten können. Die Stimmung war gedrückt, der Körper schon nach dem ersten Tag belastet, es konnte nur Berg auf gehen. Doch eins sei gesagt, auch das gehört zu einem Road Trip dazu. Das plant man nicht voraus, das passiert einfach.

 

Von daher ging es für uns weiter, und zwar nach Saskatoon!