Moose Jaw, eine Perle im Nichts von Saskatchewan.

Created: March 31, 2020

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Der Stopp in Moose Jaw ist das perfekte Beispiel, was einen Road Trip ausmacht. Flexibilität und nicht zu wissen wo man im Endeffekt endet. Dank der Anekdote, des Mitarbeiters im Western Development Museum, über Al Capone war die Stadt aus dem Nichts auf dem Radar. Und Interessenhalber dann auch als nächster Stopp geplant. Hätten wir alles vorausgeplant und gebucht, wäre dies nicht möglich gewesen.



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Die Stadt Moose Jaw liegt nur 2 Autostunden von der Grenze zur USA entfernt, also kann man fast schon das Adjektiv "nah" vergeben. Mit ungefähr 34.000 Einwohner ist die Stadt nicht wirklich groß. Liegt vielleicht auch daran, dass sie im Schatten der eigentlichen Hauptstadt der Provinz Saskatchewan, Regina, (47 Autominuten entfernt) liegt. Die 34.000 Menschen nennt man Moose Javians!

 

Ehrlich gesagt bin ich mir heute noch nicht sicher, woher meine Begeisterung für diese kleine Stadt kommt. Möglicherweise weil die Stimmung des Trips gut war nach Saskatoon. Die Fahrt dorthin war ruhig. 226 Kilometer, ca. 2:15 Stunden. Der Weg führt durchs Flachland, es gibt also recht wenig zu sehen und die Strecke verläuft fast die ganze Zeit stur gerade aus. Wenig zu sehen ist hier übrigens noch untertrieben. Die Provinz Saskatchewan ist so flache, man wäre schon über einen Hügel erstaunt. Ungefähr bei der Hälfte legten wir einen kurzen Boxenstopp in Davidson ein. Keine Angst, wem Davidson nichts sagt, der muss sich keine Sorgen machen. Die Stadt zählt ca. 1.000 Einwohner (Stand 2011) und liegt im Nirgendwo. Aber, sie besitzen einen Subway und das reicht aus für die Toilettenpause. Anhand der Einwohnerzahl kann man sich vorstellen, dass der Subway leer war. Neben mir war noch eine ältere Dame vor Ort und der Angestellte. Wie es sich gehört wollte ich mir einen Kaffee holen, um nicht nur die Toilette zu benutzen und gleich wieder abzuhauen. Doch wie es das Schicksal so wollte, hat der Kollege an der Kasse gerade ein Kassensystemupdate durchgeführt. Wer solche Updates kennt, der weiß, dass sich das etwas in die Länge ziehen kann. Wir unterhielten uns etwas, klassischer Small Talk. Wo kommt man her, was treibt einen nach Davidson, usw. Wir verstanden uns richtig gut. In den Augen des Angestellten wohl so gut, dass er kurzerhand sagte, das Update zieht sich noch etwas, der Kaffee geht auf das Haus. Die Nettigkeit der Kanadier schien sich von Tag zu Tag zu beweisen. Der Tag lief also mehr als gut.

 

Man hätte nach Moose Jaw auch eine andere Route nehmen können, dann wäre man an zwei Provincial Parks vorbeigekommen (Danielson und Douglas, liegen beide am Lake Diefenbaker) aber das war es uns nicht wert. Beziehungsweise hätte es eine Stunde länger gedauert und die Zeit wollten wir lieber vor Ort verbringen. Von daher ging es schnurstracks Richtung Moose Jaw!

 

Und dort wartet auch schon Mac the Moose. Eine gigantische Elchstatue, ungefähr 10,36 Meter hoch. Ein Prachtstück das seines Gleichen sucht. Um ehrlich zu sein gibt es eine weiter Elch Statue in Norwegen, welche der Statue den Rang abgelaufen hat als größter Elch der Welt. Kluge Kanadier haben aber einfach das Geweih vergrößert und nun ist Mac the Moose wieder auf Platz 1. Verrückte Welt. Irgendwie hat mich der Elch aber fröhlich gestimmt.



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Auf dem Weg Richtung Downtown kamen wir an dem dortigen Western Development Museum - History of Transportation vorbei. Da uns das Museum in Saskatoon schon sehr gut gefallen hat, sind wir auch hier eingekehrt. Falls in Saskatchewan einmal etwas auf Rädern, Schienen oder mit einem Propeller bewegt wurde, dann findet man es in diesem Museum. Es war interessant vor allem die älteren ausgestellten Modelle zu betrachten und davon gab es unzählige. Das Museum ist groß und somit auch die Aufstellfläche. Allerdings muss ich gestehen, ich bin kein Auto- oder Flugzeugfreak. Ich schaue mir die Sachen gerne an, aber das war es leider auch. Persönlich hat mir das Museum davor daher etwas besser gefallen. Doch das ist, denke ich Geschmackssache. Als alter Western Development Fan gibt es von mir aber eine Besuchsempfehlung.


 

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Nun ging es ab nach Downtown. Die Stadt ist wie schon erwähnt etwas kleiner, doch mir gefiel das Zentrum. Es hatte viele Gebäude, die in einem älteren Stil gebaut waren und irgendwie hatte das ganze Leben dort etwas beruhigendes. Meiner Meinung nach top. Das Ziel unserer Reise waren die Tunnel von Moose Jaw. Eine Touristenattraktion, welche einem die unterirdischen Verbindungen der einzelnen Gebäude näherbringt. Hintergrund der Tunnel war folgender. Im Winter wurde es eisig kalt und die arbeitenden Handwerker konnten so von Gebäude zu Gebäude, ohne im Endeffekt vor die Türe zu müssen. Später wurden die Tunnel dann in der Hochphase der Prohibition von Schmugglern benutzt. Vor Ort werden zwei Touren angeboten. Eine handelt von chinesischen Immigranten, welche 1900 nach Kanada gekommen sind, von der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden und die Tunnel als deren Unterschlupf genutzt haben. "Passage to fotrune". Die zweite Tour, die angeboten wird "the Chicago Connection" handelt von den 1930ern. Dies war die Zeitalter der Prohibition, während dessen Al Capone in Moose Jaw Unterschlupf gesucht haben soll und den Geschäften, die dort vor sich gingen. Letztendlich haben wir uns für die Tour über die Immigranten entschieden, und zwar aus dem Grund, da die Al Capone Tour viele fiktive Dinge beinhaltet und seine Anwesenheit in Moose Jaw geschichtlich nicht bewiesen ist. Die chinesischen Einwanderer gab es allerdings, daher hat uns dies eher zugesagt. Solltet ihr euch mal nach Moose Jaw verirren oder jetzt Lust darauf bekommen haben, die Tour lohnt sich. Das sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Zumal die Stadt dafür bekannt ist.



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In Moose Jaw selbst haben wir ansonsten nicht viel unternommen. Wir sind die Straßen entlang geschlendert, haben was gegessen und getrunken, das Leben etwas an einem vorbeiziehen lassen. Allerdings ist es, wie erwähnt, eine Kleinstadt, also aktivitätstechnisch nicht vergleichbar mit einer Metropole. Wer jedoch einen gemütlichen Tagesausflug machen möchte, der sollte sich Moose Jaw nicht entgehen lassen. Für uns ging es weiter nach Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan.